Jonathan Haidt:

Die Glücks-Hypothese

Was uns wirklich glücklich macht - Die Quintessenz aus altem Wissen und moderner Glücksforschung

„Zu viel Weisheit“ – so überschreibt Jonathan Haidt das erste Kapitel seines Buchs „Die Glückshypothese“. Damit meint er: Zum Thema Glück gibt es vieles zu sagen und zu lesen – doch was davon passt für uns heute und hilft uns wirklich weiter? Glück und Weisheit liegen – nicht nur in diesem Buch - nah beieinander.

 

Und so ist Glück auch nur ein Thema neben vielen: Was soll ich tun, wie soll ich leben und wie soll ich mich entwickeln? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen haben für den amerikanischen Sozialpsychologen Haidt in ausführlichen Recherchen „zehn großartige Ideen der Weltgeschichte“ Gestalt angenommen, die aus dem vereinten Blickwinkel westlicher, indischer und chinesischer Kulturen eine Geschichte davon erzählen, wie Menschen im Leben Sinn finden und glücklich sein können. Jeder dieser Ideen widmet er in dem 2006 erschienenen Buch jeweils ein Kapitel und verknüpft sie mit dem Denken moderner Biologie, Psychologie und Hirnforschung.

 

Auf gut 300 Seiten berichtet uns Haidt so viel Spannendes und Wissenswertes über die bewussten und unbewussten Anteile unseres Selbst, das Prinzip der Gegenseitigkeit, die uns eigene Scheinheiligkeit, über Liebe und Bindung, Tugendhaftigkeit, Spiritualität und vieles mehr. Auch eine Glückshypothese entwickelt er dabei, zeitweilig sogar in mathematisch anmutender Formulierung. Die „letzte Version“ erstreckt sich über acht Zeilen und bleibt erstaunlich abstrakt und schwammig. Dennoch: Der Leser wird bis dahin um einige Glücks-Einblicke reicher geworden sein. Die Botschaft in Kürze: Glück kommt von innen und von außen. Suchen sollten wir nicht nach dem Sinn oder Zweck des Lebens, sondern im Leben.

 

Für jeden, der Lust hat, zum Thema Glück in die Tiefe zu gehen, ein gelungener, psychologischer und philosophischer „Rundumschlag“ zum Thema … nein, nicht Glück, sondern vielmehr menschlicher Wesensart, Selbststeuerung, Weisheit und Resilienz. Ein anspruchsvoller, sehr interessanter, gut lesbarer und hilfreicher Lesestoff. Wer hingegen im Sinne des (für die deutsche Fassung hinzuerfundenen) Untertitels eine Schnellanleitung sucht, „Was uns wirklich glücklich macht“, wird wohl eher enttäuscht.
Tipp: Hilfreiche Zusammenfassungen und (englische) Einzelkapitel zum Schnuppern finden sich im Internet!