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Morgens aufstehen, das Fenster weit aufmachen und den Tag begrüßen - wäre das nicht wunderbar?

Es ist schon eine ganze Weile her, da sagte eine Klientin zu mir: "Ich würde so gerne morgens aufstehen können, das Fenster weit aufmachen und den Tag begrüßen!" Mir erschien das als ein sehr sinnvoller, schöner und konkreter Wunsch; da wir aber an einem anderen Thema arbeiteten, nahm das Gespräch schnell eine andere Richtung.

Es dauerte ein paar Wochen – das Coaching war inzwischen abgeschlossen – bis ich mich plötzlich wieder an diesen Satz erinnerte. Ja, natürlich, es wäre sehr schön, den Tag so zu beginnen! Aber machte ich das? Nein! Nur warum nicht?

Der Grund schien mir eigentlich schnell offensichtlich: Wenn wir dieses Wunschbild vor uns haben, verbinden wir ein starkes angenehmes Gefühl damit. So "wie im Urlaub". Wir denken, wie schön sich das anfühlen würde: sich in Vorfreude aufrichten, mit großer Geste die Fensterflügel öffnen, genussvoll die frische Luft einatmen und sich und die Welt spüren, neugierig darauf, was dieser Tag uns wohl bringen mag … und glauben, dass wir einen Grund für dieses Gefühl bereits HABEN müssen, um so zu HANDELN! Wir denken: Ja, wie glücklich muss der sein, der seinen Tag so beginnt. Wir sehen es als Ausdruck seines Glücklichseins, nicht als Grund dafür.

 

Aber muss das wirklich so sein? Tun wir nicht ständig Dinge, um unsere Laune zu heben? Urlaub, Essen, Shoppen: Da setzen wir darauf, dass das „Glück“ von außen kommt und wir es im Innern erleben werden. Auf die Augenblicke der inneren Zufriedenheit, die wir damit erreichen wollen, auf die allein vertrauen wir nicht. Dabei ist die „Tu-so-als-ob“-Methode nicht nur schon lange ein beliebtes und erfolgreiches Coaching-Tool, sondern inzwischen auch aus Sicht der aus ihren Kinderschuhen endlich entwachsenen Hirnforschung vollkommen einleuchtend.

 

Wir KÖNNEN morgens aufstehen, das Fenster weit aufmachen und den Tag begrüßen: Um das zu tun, braucht es kein bestimmtes Gefühl. Und in dem Wunsch nach diesem Erlebnis steckt wohl eine tiefe intuitive Weisheit: Das Tun und das Fühlen sind eng miteinander verknüpft! Es ist die Bedeutung, die wir dem geben, die das Erlebnis bestimmt, und da stehen wir uns oft selbst im Weg. Warum nicht das Gefühl zulassen, das wir damit verknüpfen und sogar beabsichtigen?

 

Der Tag kann nichts dafür und hat nichts damit zu tun, was uns gerade besorgt oder in unserem Terminkalender steht, er ist offen für viele kleine und größere Dinge, wenn wir ihn an uns heranlassen – er kann unser Freund sein, wenn wir ihn so betrachten. Die Luft ist die gleiche und tut uns ebenso gut, ob wir gut gelaunt sind oder schlecht – es ist unsere innere Bereitschaft, sie zu genießen, die anders ist! Das Fenster ist ein wunderbares Symbol für die Grenze zwischen mir und der Welt – ich kann achtsam sein, wie ich damit umgehe.

 

Bei mir hat es Klick! gemacht – und ich beginne seither jeden Tag mit diesem kleinen Ritual. Mich darauf zu freuen, bringt mich leichter aus dem Bett. Das Fenster zu öffnen und mich dann ganz nach Bedarf und Laune zu recken bringt mich in Bewegung und macht wach. Ein paar tiefe Züge Luft zu nehmen gibt mir Energie und Fokus. Und was auch immer da draußen ist, sei es warm oder kalt, trocken oder nass, Vogelzwitschern oder Baustellenlärm: Es bringt mich in Kontakt mit der Welt und damit ein bisschen raus aus meinen Grübeleien und rein ins Hier und Jetzt. Morgens aufstehen, das Fenster weit aufmachen und den Tag begrüßen – in der Tat, es ist wunderbar! Und ich bin nachhaltig dankbar für diese tolle, praktische Inspiration.

 

Probieren Sie es doch mal aus: Planen Sie morgens zwei, drei Minuten extra ein und schauen, wie es sich anfühlt. Klappt das mit dem Fenster? Sehen mich vielleicht die Nachbarn, der Partner? Da finden Sie sicher eine Lösung.
Und sollten Sie sich dann schon auf dem Weg zur Dusche merkwürdig wacher fühlen oder der Kaffee plötzlich besser schmecken, wissen Sie: Es wirkt!

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